WITH FULL FORCE 2005  , Roitzschjora bei Leipzig (70 000 Besucher – geschätzt)

 

Susi Martin und Doro Fritzsch berichten.

 

 

FREITAG, DER 1.7.2005

 

Mainstage: Spawn, Extreme Noise Terror, Mastodon, Obituary, Anti Flag, Killswitch Engage, In Flames, Slayer

Tentstage: Destiny, Barcode, Cataract, Stretch Armstrong, OHL, Walls Of Jericho, Mark Foggo& The Skasters, Misfits

Knüppelnacht: Unleashed, Gorgoroth, God Dethroned, Carpathian Forest, Illdisposed, Behemoth

 

Los geht`s am Freitag mit den kurzhaarigen Metalcore Jungens von Destiny, die einem wirklich die Kinnlade runterfallen lassen. Ob großes Festival oder nicht, so eine Hammerband haben wir um drei Uhr wirklich nicht erwartet. Die Stimmung im Festzelt köchelt schon gewaltig, denn die meisten sind schon seit Donnerstag da und wollten dem fröhlichen Getrinke noch eine nette Nebenbeschäftigung beifügen –  Musik hören, fühlen und tja – sehen. Ganz klar, manch einem Haare bis zum Arsch Mensch versetzt es ein kleines Schmunzeln, wenn sie die Jungen Burschen sehen, aber je länger der Gig dauert, desto mehr kommen auch die in Wallung. Nach 35 Minuten verlassen wir schon ziemlich verschwitzt das (an allen Seiten offene) Zelt und sind der Meinung es ist erstmal Zeit zum Frühstücken. Da unser Zelt vielleicht 50 Meter von der Zeltbühne entfernt ist, hören wir alles mit während wir uns an einer Bockwurst ergötzen. Die leidige Senfdiskussion kommt auf und Barcode knüppeln fröhlich aggressiv im Hintergrund. Mittelscharf wie der Bautzener Senf würde ich sagen. Im Gehör blieb mir nichts hängen. Um 17.05 Uhr spielen Mastodon auf der Mainstage, das müssen wir uns anhören. Manch einer behauptet ja die einzigen guten Metalsoli der Welt kommen von Mastodon, weshalb ich gleich doppelt gespannt bin. Zunächst warten wir ab bis Exreme Noise Terror die Bühne geräumt haben und bald schon spielen sich Mastodon mit dem drittgrößten Backdrop nach den Beatsteaks und Iron Maiden einen ab. Ja, das klingt doch alles sehr gut, aber das mit den Soli würde ich nicht unterschreiben, sondern eher in die Kategorie 0/8/15 packen. Wobei die Fingerfertigkeit schon sehr beeindruckend ist. Würden wir hier Punkte verteilen erhielten Mastodon eine 7,5 . Als nächstes spielen Stretch Armstrong und das ist zum Teil ein bisschen verwirrend, weil die Bandbreite der Stile, die die Band spielt wohl etwas weiter gefasst ist als normal. Gerade denkt man da spielt aber eine gute Punkband und drei Lieder später knallen die einem ein Brett vor den Latz, das sich gewaschen hat. Besonders gut gefällt hier die Stimme des Sängers. Inzwischen sitzen wir aber wieder unter dem Partypavillon unserer schwedischen und isländischen Freunde und fröhnen dem Trash (wohlbemerkt NICHT Thrash) mit David Hasselhoffs „Looking For Freedom“. Kontrastprogramm sozusagen. Besonderer Dauerbrenner unserer Runde auch „Du“ vom oben genannten, sowie ein merkwürdiger schwedischer Song über einen Gang in den Zoo. Wortlaut ungefähr: „...si un antiluup, de suu (also Zoo), de suu iste por pu suu (ich gehe in den Zoo)“. Großartig. In den Pausen zwischen Shakiras „La Tortura“ und Hasselhoff schweben auch ein paar Takte von den inzwischen in der Tentstage spielenden OHL an unsere Ohren . Die Heeresleitung überrascht mich doch ein wenig, denn so hart hatte ich sie irgendwie nicht in Erinnerung. Trotzdem – viel gehört haben wir davon nicht . Zu Walls Of Jericho schleppen wir uns dann wieder ins Zelt. Die Band um die Frontfrau Candace Kucsulain  spielt saftigen Metalcore, der mich aber nicht von den Socken gerissen hat. Außerdem bin ich kein so großer Fan von Frauen, bei denen man gar nicht mehr hört, dass es Menschen mit Gebärmuttern sind, siehe auch Arch Enemy. Da packt mich dann irgendwie die Angst und ich muss weinen . Da lob ich mir doch Sängerinnen wie Brody Dalle (Distillers) und Courtney Love . Wie mag es da nur den Herren der Schöpfung gehen?  

ABER JETZT! Auf der Mainstage spielen Killswitch Engage und wir schnappen uns einen Platz mitten im Getümmel. Wer KSE schon mal auf CD gehört  und für schlecht befunden hat, sollte das mal ganz fix vergessen, denn mit der Platte hat das live wenig zu tun. Ich meine, die Lieder sind die selben, aber der Gesang klingt einfach viel fetter und die Energie, die da durch die Luft schwebt, hat innerhalb weniger Songs das Publikum zum Brennen gebracht. Gerade stehen fällt schwer, die Luft ist heiß und ziemlich dünn und das Wechselbad aus bedingungslos hart und auf der anderen Seite melodisch, durch das uns die Band mit 1000 PS zieht,  macht einfach nur unfassbar glücklich. Mit „Rose Of Sharyn“ beenden die Amerikaner das Set nach 50 Minuten furios und die Textzeile „It won’t be long/ We meet again/ My love for you is everlasting“ kreist in Kopf wie ein stolzer Adler. Von diesem Glücksschock muss man sich erstmal erholen und so verpassen wir In Flames, sehen aber vom Zelt die dicke – Hose – Pyroeffekte. So fett hat später nur noch Iron Maiden aufgetragen.

Kurz vor Slayer spielen die Misfits im Zelt und machen den Anschein irgendwie besoffen zu sein, was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tut. Wir vernehmen lediglich, dass der Gesang irgendwie zu laut war und so lallen sie sich durchs Set, bis man, wenn mehrere singen, nur noch lallen vernimmt haha. Was solls, die Meute wartet ja eh nur auf Slayer. Der Name wird ununterbrochen seit zwei Tagen über das Zeltgelände gebrüllt und ersetzte das „hallo“ gänzlich. Wenn man sich früh begegnet schreit man seinem Gegenüber stattdessen ein beherztes „Slaaayyyaaaaaaa“ ins Gesicht.

Der Headliner des Freitags war also ein echter „Zeltfeger“. Wir ergattern einen Platz am Mixturm, also mindestens 30 Meter von der Bühne weg. Als die Thrashgötter mit „God Hates Us All“ loslegen, fällt dann auch das erste mal ein negativer Aspekt ins Gewicht – die Mainstage ist zu leise. Auch beherzte „Lauter!!!“ Rufe in den Pausen ändern da nichts dran und der kleine Pegel nervt gewaltig. Das ganze Festival über blieb das so. Im Nachhinein äußerten sich die Versanstalter uns gegenüber folgendermaßen:

 

"Prinzipiell muss jeder Veranstalter die Lärmgrenzwerte einhalten. Wir wurden zudem beauftragt, in den Nachtstunden Messungen durchfüren zu lassen. Jedoch gab es nur einmal ein Feedback, dass die Werte kritisch sind, was nur zu einer Nichterhöhung des Pegels führte. Also lag's an der freien Entscheidung der Leute an den Pulten.

das WFF Team"

Wie auch immer, zurück zu Slayer. Eingehüllt in meterhohen dicken  Nebel steht Tom Araya wie ein Baum im blutroten Gegenlicht. Eingezimmert in die größten Slayer Songs erreichen diese vier Männer mehr Präsenz als irgendeiner sonst  auf diesem Festival. Da wird nicht hin und her gerannt, sie stehen einfach da und füllen diese riesige Bühne mit ihrer sensationellen Aura. Von der Musik mag man ja halten was man will, aber man kann ihnen die „megasuperduperbombenkrasse Götterausstrahlung“ nicht absprechen. Und wirklich – Slayer rocken die Bude dermaßen, dass man aus dem Staunen und „jawoll!“ Schreien gar nicht mehr rauskommt. Ebenfalls geil: im Publikum sitzt ein vielleicht neun Jahre alter Junge auf Papas Schultern und geht so richtig ab – inklusive non-stop Pommelgabel. Eine Circle Pit nach der anderen – Slayer Festivalgott!

Um 23:55 Uhr ist der Spaß vorbei. Oder geht er jetzt erst richtig los? Ladies and Gentleman, welcome to the one and only true blasphemic KNÜPPELNACHT! Bis um 5 erwarten wir jetzt sechs Death und Black Monsterbands, obwohl die Beine und Augen  nach inzwischen zusammengerechneten fünfeinviertel Konzertstunden schon ziemlich schwer werden. Wie erwartet platzt das Zelt aus allen Nähten und die Party beginnt mit den Death Spaßnasen von Unleashed. Herrlich, wie hier das Publikum durchweg als „Warriors“ bezeichnet wird und herrlicher, wie ein „Victory“ den anderen ablöst, bis wir endlich beim „ultimate and true victory“ landen, dem „Death Metal Victory“. Dieser wird dann auch bis zum Abwinken skandiert und das Publikum – ähh die Warriors feiern Unleashed wie die Hölle. Das erste Opfer der Nacht wird Doro, die sich im Zelt zu einem kleinen Nickerchen entscheidet. Ich setz mich vor’s Zelt auf den Partystuhl  und lausche dem Auftritt von Gorgoroth . Erinnerungen? Null. Tatsächlich schwebe ich in einer Art Parallelwelt irgendwo zwischen wach und Schlaf und nach inzwischen fast 20 Stunden Dauerbetrieb seh ich schon Gespenster. Als ich gerade aus einem Sekundenschlaf aufschrecke, bin ich der Meinung mir gegenüber auf dem Partystuhl sitzt Doro und guckt mich an. Tatsächlich stellt sich nach genauerem Hinsehen heraus, dass es das Regencape ist. Dieser Wahnsinn lässt mich kurz hadern, ob ich mich auch einfach ins Zelt schlafen lege, aber stattdessen kämpfe ich mich hoch um God Dethroned zu sehen. Doro hab ich nicht mehr hochgekriegt und so mach ich mich allein auf den Weg. Hat es sich gelohnt? Jaa! Jaaa! Denn God Dethroned sind auf ganzer Linie beeindruckend. Technisch beeindruckend. Ich steh ganz vorn und guck den Jungs auf die Finger und was da fabriziert wird ist irre. Der Sänger, gleichzeitig zweiter Gitarrist kennt das Wort Riffing gar nicht und spielt durchgängig Melodielinien, die bei anderen Bands als reine Soli gelten würden. Er aber kriegt das noch hin nebenbei in einer ganz anderen „Melodie“ zu schreien, während seine Finger in Lichtgeschwindigkeit quer über das Griffbrett huschen. Und der andere Gitarrist? Brauchen wir gar nicht erst von reden. Das sind mit Abstand die besten Soli des gesamten Festivals (womit die Mastodon – These endgültig ad acta gelegt ist). Anstatt wie ein Irrer einen Ton den anderen hinterher zu jagen lässt man sich mit den Soli hier Zeit. Das ist für diesen Musikstil wirklich ungewöhnlich, aber was erzähl ich, die meisten von euch kennen God Dethroned sowieso. Jedenfalls sind diese Soli schon beinahe herzzerreißend schön (na ob die harten Jungs das hören wollen) und ich bin geplättet. In der Umbauphase für Carpathian Forest penn ich  fast im Stehen ein, inzwischen isses ungefähr um drei. Ich hab mir den Anfang der Show noch angeguckt und fand es auch ganz geil, aber dann zog es mich zum Zelt. Stattdessen bin ich aber bei den Schweden und Isländern gelandet, Doro ist auch wieder wach und wir verbringen den Rest des Abends bis etwa um fünf noch in geselliger Runde, bis wir zu den sanften Klängen von Behemoth einschlummern. Das Leben kann so schön sein.

 

SAMSTAG, DER 2.7.2005

 

Mainstage: Red Harvest, Betzefer, Kataklysm, Amen, Ektomorf, Such A Surge, Sick Of It All, Beatsteaks, Iron Maiden

Tentstage; Narziss, Crosscut, Merauder, Murphy’s Law, Terror, Maroon, Discipline, Die Kassierer

Saturday Night Fever: Knorkator, Brainless Wankers, Amulet, Manos

 

WFF MAL ANDERS TEIL 1: wir wachen auf, kochen uns zum Frühstück Tütenfraß und über unseren Köpfen kreisen stolz Bussarde. Wirklich toll. Außerdem: Motocross Show mit Superman Seatgrab (!!!) Sprüngen

WFF WIE IMMER: Es ist Samstag morgen und bereits um 13:30 Uhr wird Red Harvest auf die Mainstage gescheucht. Wir spazieren umher und stellen fest, dass die ja wirklich gut sind. Aber wir haben sie nicht 100% mitgekriegt, warum auch immer. Durchaus mitgekriegt haben wir dann aber die Israelis von Betzefer (hebr. Slang für „Schule“) und die haben zwar ziemlich viel gelabert, aber das Dazwischen war wirklich sehr gut . Von der einen Journalie als DAS große Ding in der Pantera- Sepultura- Machine Head- Reihe gefeiert und von der anderen Seite als uneingenständige billige Kopie abgewatscht, machen es die Jungs nicht allen recht. Aber mich hat das doch ziemlich überzeugt und war durchaus äußerst unterhaltsam. Wir stellen fest, dass wir den heutigen Tag, im Gegensatz zum gestrigen vor allem vor der Mainstage harren werden, auch wenn das angesichts der Temperaturen tödlich ist. In den Umbaupausen fährt von beiden Seiten der Mainstage die Feuerwehr aufs Gelände und macht die aufgeheizte Meute so richtig nass. Wir denken uns „yuhu!“ und springen in die so harmlos anmutende Dusche, aber dort angekommen dauert es eine Sekunde und man ist nass bis aufn Schlibber. Vorher war man zu trocken und jetzt war man irgendwie zu nass. Verdammt! So angefeuchtet haben wir uns noch eine Weile Kataklysm angeguckt und sind dann wieder zum skandinavischen Partyzelt gesprungen um uns erneut mit Bockwurst zu stärken. Denn was da bald kommen sollte war großes. Mit geballten Fäusten rennen wir um 17 Uhr unter lautem „Show Your Fist“ Gesinge zur Mainstage da spielen Ektomorf. Die Fürsten des „die jungen Sepultura“ Erbes spielten das ganze Festival in Aufruhr. Wir platzieren uns in die erste Reihe ganz an den Rand und vernehmen eine unfassbare Crowdsurferdichte. Hallo? Ist da noch irgendjemand, der nicht in den Lüften schwebt? Anscheinend ja. Unfassbar. Ich behaupte mal pro Minuten haben die Securities 40 Surfer vom feiernden Pack gepflückt. Und wie wir da so stehen und moshen rennt doch plötzlich einer von unserer Schule an uns vorbei. Sowas – die Welt ist wirklich klein. Wie auch immer, Ektomorf gehen unglaublich ab und verdienen sich zunächst die Silbermedaille des genialsten Auftritts nach Killswitch Engage. Wird es so bleiben? Wir sind gespannt.

Nach Ektomorf feiern wir mit den Schweden weiter und hören aus der Entfernung den wirklich tollen Auftritt der Vorzeige Oi Skin Band Discipline, die das Zelt gehörig zum Kochen bringen. Das ist melodisch und derb, das ist einfach gut.

Bei uns steigert sich langsam die Spannung, denn nach zwei Tagen Dauergeholze steht heut Kontrastprogramm vom Feinsten auf dem Programm  - die Beatsteaks. Die haben den Slot vor Iron Maiden und dementsprechend viele langhaarige, die nur auf die Helden der New Wave Of British Heavy Metal warten und sich die Buletten mehr oder weniger „antun“. Wir erzwängen uns einen Platz wenige Meter vor der Absperrung und wissen schon jetzt, dass das recht heikel werden wird. Was solls, da wird die Hose hochgekrempelt und die Schnürsenkel in den Schuhen versenkt und bereit ist man für eine Stunde Pogo. Los gehts – mit einigen Minuten Verspätung dann auch mit „Ain’t Complaining“ und hossa – das Publikum gerät deftig in Wallung. In ihren merkwürdigen grünen Jacken und vor diesem monströsen Backdrop, das bestimmt fünf Meter hoch ist, tragen die Beatsteaks in Sachen Style ganz schön dick auf, aber das ist gerechtfertigt, denn die Show ist mal wieder über alle Zweifel erhaben. Aber einen langsameren Song zu spielen trauen sich die Fünf nicht, stattdessen kreischt Gitarrist Bernd Kurtzke sein „Loyal To None“ schon sehr früh. Je länger der Gig dauert, desto mehr tauen auch die eigentlich für Iron Maiden angetretenen Metaller auf und irgendwann pogen auch die kräftig mit. Arnim teilt dem Publikum dann auch mit, dass Motörhead morgen nicht spielen werden, weil Lemmy im Krankenhaus liegt.

Die Stimmung trübt das aber erstmal nicht und so geht die Party mit den Berlinern weiter. Hellhörig werden die Langhaarigen dann aber, als die Beatsteaks den Klassiker „Kings Of Metal“ von Manowar spielen, dass schon seit Jahren fest ins Liverepertoire gehört. Alles in allem ein sehr gelungener Gig, der mit dem Kracher „Schlecht“ den perfekten Schlussknall abliefert. Yuhu! Und:  Die Beatsteaks verweisen Ektomorf auf Rang drei. Danach geht bei uns erstmal nichts mehr. Voller Blessuren und ziemlich abgekämpft schleppen wir uns zu den Duschen und verzichten auf Iron Maiden, die wir aber trotzdem hören. Wir müssen kichern, Iron Maiden sind wirklich putzig.

WFF MAL ANDERS TEIL 2: Auf dem Weg zur Dusche kommt es zu einer Maikäferinvasion. In unserem – nicht unbegründetem – Abscheu vor diesen widerlich riesigen Tieren bleibt uns nichts anders als wild kreischend vor jedem dieser Käfer wegzurennen und danach hyterisch zu lachen. Überall sind sie! Kein Meter vergeht, wo man nicht wieder von einem verfolgt wird. Auf dem Zeltplatz kommt es zu martialischen und fast schon slapstickartigen Szenen. An der Ecke drischt einer minutenlang auf einen am Boden liegenden Käfer mit einer Wasserflasche ein (das arme Tier), an der nächsten Ecke dreht sich jemand mit einem Handtuch wedelnd im Kreis und überall schlagen Menschen um sich. Das Ganze aber ist nach einer Stunde wieder vorbei und die Brummer haben sich – für heute zumindest – verabschiedet .

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Nach Iron Maidens – bestimmt ganz tollem hähä – Auftritt kommen auch die Schweden und Isländer wieder und der Abend wird köstlich. Besonders merkwürdig aber wird in der Tentstage das „Saturday Night Fever“, beginnend mit den unsäglichen Knorkator. In Badeanzug oder Lendenschürz gekleidet malträtieren die Irren unsere Ohren. Es gibt Dinge, die man einfach nicht sehen möchte. Trotzdem machen Knorkator gute Laune, weil man sie auslachen kann. Brainless Wankers sind musikalisch um einiges besser, aber auf der Bühne sehen sie auch sehr merkwürdig aus. Dort stehen mindestens 100 Menschen, die irgendwelche Instrumente in der Hand halten, die sie, wenn sie nicht gerade  auf Speed wie Kaputte über die Bühne springen auch ab und zu mal bedienen. Als revolutionär erweist sich hier ein Mitglied, das offensichtlich nur dafür abgestellt ist total wirr über die Bühne zu rennen und dabei merkwürdige Gesten zu machen. Die Wankers haben bei Stefan Raabs Bundesvision Songcontest zusammen mit SIDO „Mama ist stolz“ gesungen und ich glaube, der Irre war SIDO höchstpersönlich.

Geschockt von soviel Irrsinn bewegen wir uns in Trance zurück zum Partyzelt und erleben weiteres außergewöhnliches: Wir treffen einen eingeborenen Schwaben und einen Engländer, der aus Birmingham kommt, aber Fan von Chelsea London ist. Mit diesem Engländer, er heißt Matt, lachen wir uns dann bis früh um sieben die Lunge aus dem Leib und trainieren die Bauchmuskeln bis zum Kollaps. Ein wirklich legendärer Morgen.

 

 

SONNTAG, DER 3.7.2005

 

Mainstage: Superbutt, Dew-Scented, Die Apokalyptischen Reiter, Nuclear Assault, Raging Speedhorn, Pro Pain, Hellacopters, Anthrax, Motörhead fällt aus

Tentstage: ZSK, Fear My Thoughts, Smoke Blow, She-Male Trouble, Dritte Wahl, Harley’s War, US Bombs, Brightside

The Last Supper: Subway To Sally, Finntroll, Eläkeläiset, Haggard

 

WFF MAL ANDERS TEIL 3: ein paar 10 Meter von unserem Zelt entfernt wohnt ein Storch, der so einige Male über unseren Köpfen rumfliegt und den der Lärm nicht stört – Metalstorch!

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Nach diesem langen Tag wachen wir sehr spät auf und zum Frühstück spielen die ach so politisch korrekten ZSK in der Tentstage. Leider muss ich das alles mithören, der Wind weht dummerweise in meine Richtung. Während Doro dem Elend entgeht, die glückliche. Ich meine, es ist ja klar, dass Nazis scheiße sind und sich verpissen sollen und es ist auch alles andere als toll, dass Ausländer abgeschoben werden und vorher für Monate in irgendwelchen Schuppen wohnen müssen, aber wieso schreit mich der Sänger in den Ansagen deswegen so an? „Ahhhhh in diesem scheiß Land mit seiner ahhhhhh scheiß Politik blablablabla“ und das eine quälende halbe Stunde lang. Wären doch wenigstens die Lieder zwischendrin besser. Ich schwanke jedenfalls zwischen lachen und ausrasten, verlege mich aber auf ersteres. Daselbe tue ich, als ich die Gestalten kommen sehe, die gerade noch zu ZSK abgegangen sind und glauben, jetzt die Welt verändert zu haben. Ey voll krass alder so punks not dead alder. 

Eigentlich steht dieser Tag ja unter einem ganz anderen Stern. Wir interviewen heute nämlich backstage die Beatsteaks und überlegen, was wir sie denn eigentlich fragen. Außerdem ruft der Presseheinz der Beatsteaks ewig nicht an. Naja. Wir gehen erst zu SheMale Trouble rein. Die Berliner mit der schreienden Frontfrau sind für uns natürlich mal wieder besonders interessant. Aber schon wieder enttäuscht die weibliche Sängerin. Jetzt hört man dass sie eine weibliche Person ist, aber wenn sie nicht kreischt klingt ihr Gesang sehr komisch. Irgendwie wie die Rickie, die Anke Engelke immer in der Wochenshow parodiert hat. Bloß ein bisschen kratziger. Das is jedenfalls nichts und wir laufen ein bisschen rum, denn in wenigen Minuten interviewen wir die Beatsteaks. Der Backstage an sich ist total langweilig. Von wegen ausrastende Rocker, die den Schnee vom letzten Snief noch in den Augenbrauen haben (wir gehen natürlich davon aus, dass die das Zeug wie Tony Montana in Scarface konsumieren). Stattdessen sitzen ein paar gelangweilte Menschen auf Designercouches und trinken Red Bull ohne Zucker. Wirklich gruselig. Das Interview lest ihr unter „Interviews“.

Nachtrag vom 22.7.05: Szenerie: Beatsteaks- Autogrammstunde:

Nun nachdem wir Torsten und den Peter ja wie gesagt schon getroffen hatten und ein intensives Schaumbad mit ihnen genommen hatten entschieden wir uns nun auch den Rest der buletten mit unserer Anwesenheit zu beglücken (wenn die wüssten Anm.d.Red.) und machten uns auf den weg zur Autogrammstunde. dort angekommen drängelten wir uns gekonnt in die erste Reihe, was sich als unfassbar schlau erwies, da die Schlange am Ende Ausmaße von mehreren Kilometern hatte. Wie auch immer wir warteten während neben uns die HELLAKOPTERS ein fantastisches Konzert gaben. Und siehe da wer kam- die Beatsteaks. Sie waren "naja"- gelaunt setzten sich auf die Tische (diese Punks) und begannen zu unterschreiben. Schon sichtlich angeheitert fiel uns Berndes schnieke Brille auf, die ihm unfassbar schlecht stand worauf wir mehr oder weniger laut sagten: guck mal der bernde sieht aus wie eine fliege"- hinterher nahm er sie ab. gut, wie auch immer wir stelleten uns an- zuerst zu Arnim- Doro: " Hallo, willst du ein Autogramm von mir?" Arnim:" Von dir?-Nein"(wenn du wüsstest was dir entgeht- Anm.d.Red.) Doro:"na gut, bekomm ich eins von dir? Arnim:"ja" . gut autogramm geholt und weiter zu peter und torsti, die uns gekonnt ignorierten bis wir sei dann unter hysterischem gekreische auf uns aufmerksam machten. dann wars vorbei- zum glück ;-)

Danach Pro Pain. Na das ist doch mal was für unseren Geschmack! Wirklich toll wie sich die Typen durch ihr Set wühlen, Schweiß, Blut und ein Dampfhammer. Das letzte Lied ist übrigens ein Cover von „Terpentin“ von den Böhsen Onkelz, bei deren Abschiedsfestival sie wenige Wochen zuvor auch spielten. Ich geh ab!

Jetzt geht’s Schlag auf Schlag, als nächstes spielen The Hellacopters und dudeln sich gut gelaunt durch ein gut gelauntes Set. Gewohnt spielfreudig und solilastig bringen die Höllenschrauber das Publikum in Wallung und zum Tanzen. That’s Rock´n Roll! Trotzdem, wir begeben uns ans Zelt und warten auf Anthrax, die nach Motörheads Absage die Headlinerposition einnehmen. Eine Weile kursierte übrigens das Gerücht David Hasselhoff würde den Slot übernehmen und eine Metalversion von „Looking For Freedom“ in eineinhalb stündiger Endlosschleife zum besten geben, begleitet von dem frenetischen Applaus des schwedisch-isländisch-deutschen Hasselhoff Fanclubs Roitzschjora...

Um neun etwa war es soweit, Anthrax IN ORIGINALBESETZUNG zu unser aller Freude. Den letzten Abend nutzen wir zu manischen Moshattacken, gern auch laufend und springend. Besonderes Highlight ist unser zwei Mann Circle Pit! Anthrax sind heute wirklich großartig und wir drehen förmlich durch. Leider haben sie ihren 2003er Sommerhit „Safe Home“ nicht gespielt, obwohl ich wie ein Beklopfter darauf gehofft habe. Da haben sie nun schon eine h albe Stunde mehr und spielen es trotzdem nicht . Verdammt .

Ohne Pause geht’s danach zum Last Supper. Los geht das ganze mit Subway To Sally, die ich eigentlich nicht besonders mag. Sie haben nicht genervt, waren aber auch nicht besonders spannend. Spannender da schon ein Herr, der sich vor uns stellte und sein blankes Gesäß präsentierte inklusive der von hinten sichtbaren Klöden. Lecker! 

Danach Finntroll. Vorher eher so als nett, aber nicht besonders umwerfend empfunden, muss ich meine Meinung doch ganz schön revidieren. Vor allem das Gegrunze ist großartig und gehört rein stimmlich ganz an die Spitze des Festivals. Fintroll rocken das Zelt das es so richtig wackelt. Großartig!

Danach freuten sich die Schweden auf eine Band namens Eläkeläiset und frohlockten schon seit Tagen wie geil die sind, ohne zu sagen um was es sich da handelt. Da wir mit guter Musik seit Tagen Bands meinen, die so richtig abgehen freuen wir uns darauf, dass es mal wieder so richtig scheppert und springen voller Vorfreude umher. Und was kam dann? Ein Akkordeon. Noch eins.  „Wind Of Change“ auf Schwedisch (es stellte sich jetzt durch das Mitwirken eines dubiosen "Thomas" raus, es seinen Finnen, danke dafür, Anm.d.Red.). Ahhhhhh was ist das? Diese Musik war so fröhlich, dass man irre wird. Ich kann das gar nicht in Worte fassen, was wir da hören. Das ist so unglaublich schlecht und krank, dass es schon wieder gut ist. Doro und ich stehen mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund da und vernehmen das alles mit einem riesen Schrecken. Was passiert hier? Wie reagiert das Zelt? Das Zelt geht ab. Das Zelt geht ab?????? Ach du Schande. Sind jetzt alle verrückt? Für die meisten ist es Tag vier und der Wahnsinn hat spätestens seit gestern und Knorkator um sich gegriffen, aber das man das so steigern kann. Wir schauen uns unglaubig an, grinsen und dann war es auch egal. Bitte, wenn Gott so will feiern wir eben dazu, es ist ja eh der letzte Tag. An uns hüpfen Menschen vorbei – eine Polonaise! Eine Polonaise durchs With Full Force Festzelt, wo Freitag noch Unleashed den „Death Metal Victory“ proklamierten. Wir klinken uns ein. Das ist einfach unfassbar... vierzig Minuten Wahnsinn. JBO auf Schwedisch und SKA. Das ich sowas noch erlebe...

Diese Musik hat übrigens das Publikum sexuell aufgeladen. Wir verlassen das Zelt und treffen Menschen, die um Sex betteln und den „Schlecki Lecki Klub“. Heiratsanträge und so weiter. Der Wahnsinn heißt Eläkeläiset.

Wie bitte soll Haggard da noch mithalten? Zum Lachen gibt’s da auch was, nämlich die zwei Schicksen, die versuchen zu singen. Man stelle sich die Kreischdohlen von Within Temptation und Nightwish in nochmals einhundertfach schlechterer Ausführung vor, während zwischendrin Herr Frontmann wunderschön grunzt, bis die blonden Tanten wieder ein „Ho Ho Ho“ und „Ya Ya Ya“ besteuern. Oder auch mal ein „Haaaaaaaaaa“. Lustig auch, dass die eine abgeht und die andere wie ein Stamm dasteht. Diese Performance erinnert mich an irgendwelche Schulbands wo notgedrungen immer blöde Mädchen mitsingen, die niemand leiden kann. Der Rest von Haggard kann die bestimmt auch nicht leiden, aber inzwischen haben die mit irgendeinem der Band angebandelt und deswegen fällt die Option Rausschmiss weg. Nochmals – verdammt!

Danach geht der Irrsinn an den Zelten weiter und wir sind traurig, dass es vorbei ist. WFF – bis nächstes Jahr!!

 

Bilder vom Full Force gibt’s hier

 

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